Schwabenland-Howto ==================== Nach Beendingung meines Studiums wurde ich wie so viele andere hoffnungsvolle Ingenieursabsolventen mit der grausamen und gar nicht erfreundichen Tatsache konfrontiert, dass ich mir neue Stätte des Schaffens und der Geldbeschaffung besorgen musste. Nach einigen vergeblichen Versuchen erspähte ich einen mittelständigen Betrieb in Stuttgart, der mir diese grundlegenden Güter für entsprechende Arbeitsleistung doch tatsächlich zur Verfügung stellen wollte. Da ich aus Norddeutschland stamme und Stuttgart bekanntermassen nicht (sollte der Leser mit dieser Tatsache nicht vertraut sein: Stuttgart liegt a) im Süden und b) in einer Region Baden-Würtenbergs bekannt als Schwabenland beziehungsweise Ländle), kamen so einige Probleme auf mich zu, die ich hier dem interessierten Leser nicht vorenthalten möchte. 1.Teil : Wohnungsfindung in Stuttgart --------------------------------------- Studiert man an einer kleinen Uni an der Ostseeküste, dann kann Wohnraum genau wie Regen, Touristen und Wasser reichlich ohne grosse Kosten ergattern. Stuttgart dagegen wiess einen Mangel an besagten Wohnraum auf. Diese Tatsache wurde noch durch typisch schwäbische Vermieter erschwert, die ziemlich interessante Vorstellungen von einem perfekten Mieter mit sich herumtragen: - Er sollte keine Kinder haben - Er sollte nicht allzu jung sein, die Parties und die Jugend im Allgemeinen verderben den Verkehrswert des Wohnraumes auf Dauer - Er sollte keine Frau ohne einen Lebensabschnittsgefähren sein, diese Einstellung sowie mögliche Anzahl vn Partner kann je nach Religion des Vermieters variieren - Er sollte die Wohnung nach eigenständiger Renovierung wieder mit den alten Möbeln versorgen, zwischenzeitlich sollte besagte Möbel vom Mieter kostenlos zwischengelagert werden (nach Möglichkeit ohne sie dabeu zu benutze, siehe auch Verkehrwert des Wohnraumes) - Er sollte am besten ein beim Daimler schaffender Ingenieur sein, dessen Hauptaugenmerk darauf liegt, das Scwabenland wirtschaftlich nach vorn zu bringen - Wenn er nach der Kehrwoche fragt, ignoriere alle vorher genannten Punkte und vermiete die Wohnung an ihn, halte ihn für einen rechtsschaffenden Streiter des Rechts und des Guten und ignoriere Dinge wie Alkoholfahne, offensichtlich fehlende Körperhygiene oder überhaupt einen soliden finanziellen Hintergrund Aber vor der Wohnungsbesichtigung stand zunächst einmal das Finden eines interessierten Vermieters. Erste Telefonate mit Maklern brachten bedauerlicherweise nicht den gewünschten Erfolg. Teilweise wurde die Anfrage nach günstigem Wohnraum nur mit schallenden Gelächer und einem auf die Gabel knallenden Hörer belohnt. Was also tun? Die Strassen sollten in Stuttgart zwar recht sauber sein, durchgehendes Daraufschlafen kam allerdings nicht in Frage. Und so wurde zunächst eine Anzeige in einem typisch schwäbischen Käseblatt aufgegeben: Ingenieur, ledig, aber mit Arbeit sucht eine Wohnung im Grossraum Stuttgart Garagen und Gartenlaubenangebote sinnlos Tel.: XXXXXXXXXXX Wider Erwarten meldeten sich nun tatsächlich Interessenten, die Wohnraum zu vermieten hatten. Aber auch hier gingen die Vorstellungen zwischen den Vermietern und meinen jugendlich naiven Fantasien leicht auseinander. Eine Dame wollte mir ihre Ferienwohnung für günstige 1500 DM vermieten, eigene Möbel kämen jedoch nicht in Frage. Nach einigen Rückschlägen kam dann doch eine Wohnung, die ich in in den engeren Kreis der Wohnung meiner Wahl aufnehmen konnte. Und dort fühlte sie sich schnell heimisch, schliesslich war sie dort vollkommen allein. Also wurde ein Termin ausgemacht, ich durfte das Prachstück schwänischer Baukunst näher in Augenschein nehmen. Ich erwartete keinen Palast und wurde in dieser Erwartung auch nicht enttäuscht. Ein 1909 zustande gebrachtes Bollwerk gegen Regen, Hitze und Schnee ragte vor mir drohend auf und zog mich alsgleich in seinen Bann. Die Risse in der Fassade sprachen eine deutliche Sprache: Hier hatten schon viele Generationen ihre Zeit in Stuttgart begonnen. Der Vermieter entpuppte sich ebenfalls als Bauingenieur, die Wohnung an sich war zwar nicht der gewünschte Tempel der Glückseeligkeit, aber zumindest frei. Nach dem in Augenschein nehmen hegte ich die Hoffnung, dass ich mir einige Bedenkzeit nehmen durfte. Das schallende Lachen des mir gegenüberstehenden Vermieters liess die ersten Zweifel aufkommen, ob der Wohnungsbesichtigungs- termin nur daraus bestand, die Wohnung näher zu durchleuchten. Als die Taschenlampe meine Augen zu fokussieren begann und der Wassertropfen langsam aber stetig auf meinem Kopf auftraten, bestätigte sich mein Verdacht. Nach dem fachgerechten Anbringen der Daumenschrauben sowie dem Auspacken eines Drogen- Screening-Bestecken liessen erste Zweifel aufkommen, ob ich diese Befragung auch nur ansatzweise überstehen konnte. Ich war weder ein guter Christ, noch hatte ich enthaltsam gelebt. Und die Ergebnisse des Drogenscreenings würden auch eine deutliche Sprache sprecheb, man war schliesslich kein Engel während des Studiums. Gerade noch rchtzeitig vor Ansetzen des Katheters für die Drogenkontrolle fiel mir die Kehrwoche ein. Für alle Nichtschwaben: die Kehrwoche hat jeweils der, der den Hausflur zu fegen hat. Was im ganzen Rest der Bundesrepublick ohne spezielle Aufgabeverteilung funktioniert, wurde im Schwabenland mit einer speziellen Zeremonie bedacht, die jeden Samstag ihre Jünger mit dem Talisman im Form eines Besens auf die Treppen und Strassen treibt. Doch ich schweife ab... Die Frage an meinen Vermieter nach dieser istututionellen Tradition schwäbischen Brauchtums brachte nun zum ersten Mal wirkliche Freude in sein Gesicht. Urplötzlich fühlte ich mich verstanden, meine Sorgen und Ängste wurden mir von meinem Gegenüber genommen. Der Kommentar: "Wissen sie, sie sind der erste, der danach fragt!" liess mich ahnen: diese Wohnung würde bald mein sein. Zwar war sie bar jeglicher Wärmedämmung, im Winter zu kalt, dafür im Sommer unerträglich heiss, aber ein Zuhause. Die weiteren Hürden würden wohl auch zu nehmen sein... To be continued...